Kinderschutz | ISA KOMPASS gemeinnützige GmbH
ISA Kompass

KINDERSCHUTZ

Kinder nehmen ihre Rechte wahr

Umfrage: Gelebte Partizipation in den Jugendhilfeeinrichtungen der ISA KOMPASS

Vor gut einem Jahr erarbeiteten die Kinder und Jugendlichen der ISA KOMPASS Thüringen und Rheinland-Pfalz gemeinsam einen umfassenden Rechtekatalog. Zeitgleich brachten beide Organisationen ein umfangreiches Kinderschutz- und Beteiligungskonzept auf den Weg.

Inwieweit die Kinderrechte den Heranwachsenden inzwischen bekannt sind, ob sie von den Erwachsenen eingehalten werden und welche Mitbestimmungsmöglichkeiten die Kinder haben, wollten Mitarbeiter von ISA KOMPASS kürzlich mit Hilfe eines Fragebogens herausfinden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen!

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Von insgesamt rund 240 Kindern und Jugendlichen, die in stationären Jugendhilfeeinrichtungen der beiden Träger untergebracht sind, nahmen knapp 90 Prozent an der Umfrage teil (91 Prozent der von ISA KOMPASS Thüringen und 86 Prozent der von ISA KOMPASS Rheinland-Pfalz betreuten Kinder). „Die  Rückmeldungen zu den einzelnen Punkten waren fast durchweg positiv: Die Kinderrechte sind bekannt, der Grad an Beteiligung und Mitbestimmung ist ein hoher und die Möglichkeiten der Beschwerde und Meinungsäußerung werden genutzt“, freut sich Erziehungsleiterin Eve Albrecht, die bei ISA KOMPASS Thüringen der Steuerungsgruppe „Kinderschutz“ angehört.

In Bezug auf die Bekanntheit ist ISA KOMPASS bei den Kinderrechten tatsächlich schon weit: 81 Prozent der befragten Kinder und Jungendlichen gaben an, die an die UNICEF-Kinderrechtskonvention angelehnten Kinderrechte zu kennen. Was die Einhaltung der Rechte seitens der Betreuer betrifft, scheinen die Kinder mit ihren Erziehern auch sehr zufrieden zu sein: 43 Prozent der Befragten verteilten die Schulnote „1“, weitere 35 Prozent eine „2“ und nur zwei Prozent eine „5“, während ein „ungenügend“ (also eine „6“)  überhaupt nicht vergeben wurde. Macht unterm Strich eine Durchschnittsnote von 1,84.

Nicht ganz so gut fiel das Urteil der Kinder und Jugendlichen im Hinblick auf ihre jungen Mitbewohner aus: So meinten nur noch 13 Prozent der Befragten, dass ihre Rechte von anderen Kindern „sehr gut“ eingehalten werden würden, wohingegen etwa jedes zehnte Kind das Verhalten von anderen Minderjährigen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertete. Bei der Frage „Wie achtest Du selbst auf die Rechte anderer?“ zeigten sich viele Kinder durchaus selbstkritisch. Weniger als die Hälfte der Befragten (47 Prozent) gab sich selbst eine „1“ oder eine „2“.

Hinsichtlich der obligatorischen Hauskonferenzen ergab die Umfrage ein sehr erfreuliches Bild: Mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) antworteten, dass mindestens einmal im Monat eine Hauskonferenz stattfinden würde, während lediglich vier Prozent ankreuzten, dass es in ihrer Gruppe noch keine Konferenz gegeben habe. Die Möglichkeit, sich in der Hauskonferenz persönlich einzubringen, bejahten fast 90 Prozent der Kinder.

Was die Umsetzung der bei Hauskonferenzen getroffenen Absprachen betrifft, sehen einige Kinder jedoch noch „Luft nach oben“: Etwa jedes dritte Kind entschied sich hierbei für eine Note zwischen „befriedigend“ und „ungenügend“ (Durchschnittswert 2,3). Dass es seit einiger Zeit in ihrer Gruppe einen Gruppensprecher gibt, finden dagegen 72 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gut.

Positiv auch das Urteil der Heranwachsenden bei der Frage, wie es um das Recht des Einzelnen steht, Dinge bezüglich des Zusammenlebens in der Wohngruppe mitzuentscheiden: Insgesamt 92 Prozent der Befragten gaben an, dass sie das „immer“, „meistens“ oder zumindest „manchmal“ dürften.

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Neben Fragen zu pädagogischen Hilfeplänen ging es schließlich noch darum, wie in der Wohngruppe mit persönlichen Problemen umgegangen wird. Ein solches Problem schon mal gehabt zu haben, beantworteten etwa drei von vier Kindern mit „Ja“. Allerdings meinten immerhin rund 60 Prozent der Kinder, dass sie ihre Probleme in direktem Gespräch in der Gruppe lösen oder zumindest ansprechen könnten.

„Alles in allem sind wir mit dem Ergebnis der Umfrage sehr zufrieden“, betont ISA KOMPASS-Geschäftsführer Peter Bohn. „Es deutet an, dass sich unsere Mitarbeiter, aber eben auch die Kinder, mit unserem Beteiligungskonzept identifizieren.“ Besonders froh ist Bohn über die hohe Akzeptanz der Kinderrechte. Ob es um „das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung“, „das Recht auf Bildung und Ausbildung“, „das Recht auf Privatsphäre“ oder „das Recht auf Gesundheit geht“: „Es war absolut richtig und wichtig, die Kinderrechte in unseren Einrichtungen verbindlich eingeführt zu haben“, so der Geschäftsführer. Dies sei ein erster wichtiger Schritt, dem sicher noch weitere folgen werden.

Fragebogen Kinderrechte 2017

Kinderrechte Auswertung 2017

 


 

KINDERSCHUTZ

Seit Herbst 2012 gibt es bei ISA KOMPASS das Projekt Kinderschutz und Partizipation. In Arbeitsgruppen unter Beteiligung von Mitarbeitenden und Kindern/Jugendlichen wurden gemeinsam Konzepte und Verfahren erarbeitet. Ende 2013 wurde das gemeinsame Konzept von ISA KOMPASS Thüringen und ISA KOMPASS Rheinland-Pfalz zusammengestellt und zu Papier gebracht. 2017 wurde das Konzept nochmals überarbeitet um den verschiedenen Betreuungssettings und deren Lebenswelten Rechnung zu tragen.(Download Konzept)

 

 

Rechtekatalog

Für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ist grundlegend, sie als Träger eigener Rechte wahrzunehmen und dies im Rahmen des fachlichen Handelns
vorrangig zu berücksichtigen.
Gleichzeitig ist hierbei von Bedeutung, sie über ihre Rechte zu informieren und aufzuklären sowie deren Durchsetzung zu ermöglichen.
Am 23./24.11.13 kamen die GruppensprecherInnen – insgesamt 27 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 17 Jahren – in der Effelter Mühle nahe Kronach zusammen und diskutierten das Thema Kinderrechte. Ergebnis ist ein verständlicher Rechtekatalog für die Kinder und Jugendlichen in unseren Wohngruppen.
ISA KOMPASS Rechte

Beteiligungsgremien

Kinder und Jugendliche sind „Expertinnen und Experten in eigener Sache“. Ausgehend von diesem Leitgedanken werden Kinder und Jugendliche in den sie betreffenden Angelegenheiten – wie etwa Ausgestaltung der Hilfen oder des Lebensalltages – einbezogen.
Die Kinder und Jugendlichen zu ihren Beteiligungsrechten befragt und es wurden Gruppensprecher in allen Wohngruppengewählt. In Thüringen fand 2013 ein erstes gemeinsames Kennenlern- und Arbeitstreffen der Gruppensprecher statt.
Ein erstes Konzept zur Ausgestaltung der Beteiligungsverfahren, differenziert nach Alter, Geschlecht und Situation wurde erarbeitet. Speziell die Einbindung von Kindern im Vorschulalter steht auf der Agenda 2014.
Auch der Frage nach einer Beteiligung der Eltern wollen wir uns noch einmal intensiver stellen.

Beschwerdemöglichkeiten

Soweit es um Schutz vor Gewalt geht, zum Beispiel um Schutz vor den Übergriffen Gleichaltriger oder des Personals, haben wir den jungen Menschen die Möglichkeit eines niederschwelligen Zugangs zu einer Vertrauensperson eröffnet.
Die vertrauliche und vorrangig dem Schutz der Betroffenen verpflichtete fachgerechte Bearbeitung der Beschwerden soll sichergestellt werden. Gerade bei unseren dezentralen Strukturen hat dies einen hohen Stellenwert.

 

Kids Feb. 2013 028

Kids Feb. 2013 029