ISA Kompass

Ferienfreizeit im Thüringer Wald

Ferienfreizeit der Heilpädagogischen Wohngruppe Erfurt „Am Schwemmbach“ im Zeitraum vom 03.08.-12.08.2020 auf dem Campingplatz Droschkau nahe Altenbeuthen:

Für gewöhnlich finden die jährlichen Ferienfreizeiten der ISA KOMPASS an verschiedenen Orten statt. Dabei werden die Kinder/Jugendlichen der Thüringer Wohngruppen auf Freizeiten wie beispielsweise einer Pferdefreizeit, der Kanufreizeit oder aber auch in eine Jugendherberge nahe Sebnitz je nach ihren Wünschen und Neigungen verteilt. Aufgrund der aktuellen Situation bezüglich Covid-19 hat sich jedoch die HPWG Erfurt „Am Schwemmbach“ dazu entschlossen, eine ausschließlich wohngruppeninterne Freizeit zu gestalten, um den Kontakt nach außen so gering wie möglich zu halten und die verschiedenen Wohngruppen nicht zu durchmischen. Schnell war dabei der Plan gefasst, die diesjährige Freizeit mit dem Zelt zu bestreiten. Die Wahl fiel dabei auf den Campingplatz Droschkau nahe Altenbeuthen, der malerisch auf einer Halbinsel inmitten der Hohenwarte Talsperre gelegen ist. Da jedoch die Wohngruppe bis dato nicht über ausreichend Zeltequipment (bspw. Zelte, Luftmatratzen, Schlafsäcke etc.) verfügte, wurden die im letzten Jahr generierten Spenden dafür verwendet:

1.    Spende:  Die unweit der Wohngruppe beheimatete Bereitschaftspolizei Thüringen hatte 2019 im Kollegium zu einer Blutspendenaktion aufgerufen, initiiert durch Polizeikommissar Christopher Schulz. Die dabei erzielten Erlöse wurden unter den beiden Häusern der ISA KOMPASS in Erfurt (HPWG „Am Schwemmbach“ sowie HPWG „Marbach“) aufgeteilt.
2.    Spende: Im Dezember 2019 lud die HPWG Erfurt „Am Schwemmbach“ zu einem Weihnachtsbenefiz mit DJ in die Räumlichkeiten des KICKERKELLERs Erfurt. Die dabei erzielten Erlöse durch Eintritt sowie durch eine Spendenbox gingen an die HPWG Erfurt „Am Schwemmbach“.

Beide Spenden waren ursprünglich dazu angedacht, den Kindern/Jugendlichen der Wohngruppe einen Schwimmkurs zu ermöglichen, denn auch die Jugendlichen der Wohngruppe wissen sich mitunter nicht sicher im Wasser zu bewegen. Jedoch kam es aufgrund der Einschränkungen durch Covid-19 nicht mehr dazu. Daher konnte für das Geld ein Campingequipment angeschafft werden. Zelte, Isomatten, Schwimm-und Paddelwesten, Versorgungszelt usw. werden uns in den nächsten Sommern noch gut begleiten.

Nachdem alle Vorbereitungen und Planungen für die Freizeit auf dem Campingplatz Droschkau abgeschlossen waren, ging es für Groß und Klein am Morgen des 03. August mittels Zug und Auto in Richtung Thüringer Wald. Schon nach wenigen Tagen konstatierten die drei mitreisenden Betreuer (Kathleen Kettner, 35; Janine Apel, 39; Michael Rößler, 38), dass die Entscheidung, wohngruppenintern zu vereisen, eine ausgesprochen gute Idee war, denn folgende positive Aspekte und Entwicklungen unter den Kindern/Jugendlichen konnten beobachtet werden:

–    Zunächst einmal ist es nicht für jedes Kind in der Bundesrepublik selbstverständlich, eine Reise jenseits des Wohnortes anzutreten. So machte beispielsweise ein 12-jähriges Mädchen der Wohngruppe das erste Mal in ihrem Leben die Erfahrung, was es bedeutet, in den Urlaub zu fahren. Auch für einen 15-Jährigen war es erst die dritte Urlaubsreise, da er dies so aus dem elterlichen Haushalt zuvor nicht kannte.
–    Der Urlaub in einem Zelt ist so ziemlich für jedes Kind ein großes Abenteuer. Nicht nur das ganztägige Toben an der frischen Luft, sondern insbesondere das Einnehmen der Mahlzeiten unter freiem Himmel oder das Erleben eines Gewitterschauers, lassen Groß und Klein die Annehmlichkeiten in den heimischen vier Wänden wieder mit ganz anderen Augen betrachten.
–    Ein weiteres Highlight für die Kinder und Jugendlichen stellte das nahe Ufer direkt vor dem Zelt dar. Keine 30m vom Schlafsack entfernt, ging es täglich ins kalte Nass. Insbesondere die Entwicklung eines 9-Jährigen erfüllte die Betreuer mit großer Freude: Noch vor sechs Monaten, dem Zeitpunkt der Aufnahme in die HPWG, erfüllte den Jungen das Duschen in der Wohngruppe noch mit großer Angst. Nur schrittweise fand er das Vertrauen in die Betreuer*innen, um schließlich auch seinen Kopf mit Wasser abduschen zu lassen. Auf der Ferienfreizeit schließlich tastete er sich von Tag zu Tag weiter ins Wasser der Talsperre voran, um am Ende des Urlaubs gar den Mut zu entwickeln, von einer Betreuerin nach „Räuberleitermethode“ aus dem Wasser heraus gehoben zu werden und schließlich platschend in das Nass einzutauchen.
–    Gleichfalls war das Beobachten des nächtlichen Sternenhimmels abseits städtischer Lichtverschmutzung eine wahre Freude für alle Beteiligten. Dabei konnten neben vorbeiziehenden Satelliten auch Sternenbilder sowie der jährlich stattfindende Perseidenschauer von allen bestaunt werden.
–    Die Großen der Wohngruppe wurden im Laufe der Freizeit damit betraut, das abendliche Lagerfeuer zu bewerkstelligen. Dabei organisierten sie schließlich selbstständig das dafür nötige Feuerholz sowie die fachgerechte Zerkleinerung. Auch das Schüren ebenjenes Feuers gelang von Mal zu Mal besser. Insbesondere eine 14-Jährige gelangte im Laufe der Zeit zu wahrer Meisterschaft und ermöglichte somit Groß und Klein das abendliche Marshmallow-Grillen.
–    Positiv zu beobachten war auch das Agieren der Kinder und Jugendlichen untereinander. Bereits zu Anfang der Einschränkungen durch „Corona“ war den Betreuer*innen auffällig, wie die Gruppe im Gesamten näher zusammenrückte. Dies konnte im Zuge der Freizeit weiter intensiviert werden, da die Gruppe insgesamt deutlich ausgeglichener und untereinander herzlicher miteinander agierte. Insbesondere der Besuch eines Restaurants am Ende der Freizeit machte deutlich, wie diszipliniert, ruhig und rücksichtsvoll die Kinder/Jugendlichen in der Öffentlichkeit aufzutreten in der Lage sind.
–    Mit der großen Anzahl an Zelten (8 Zelte, 1 Küchenzelt) erregten wir vom ersten Tag an großes Interesse unter den anderen Zeltplatzbesuchern. Allen voran eine Bekanntschaft zu einem Paar aus Zwickau mündete in eine dauerhafte Freundschaft. Aus einem Gespräch heraus entwickelte sich vor Ort ein spontaner Stand-Up-Paddle-Grundkurs für alle Kinder und Jugendlichen, der nicht nur den Kindern große Freude bereitete, sondern das Paar schließlich dazu veranlasste, der Wohngruppe ein Stand Up Paddle Board zu spenden, welches Anfang der Woche per Post in der Melchendorfer Straße eintraf.

Insgesamt eine hervorragende Freizeit für die Kinder und Betreuer der Wohngruppe, die nach einhelliger Meinung aller Mitreisenden nach Wiederholung verlangt.

Kathleen Kettner und Michael Rößler

Ferienfreizeit auf dem Campingplatz Droschkau

Ferienfreizeit auf dem Campingplatz Droschkau

Stand up Paddeling wurde von den Kindern begeistert angenommen

Stand-Up-Paddle-Grundkurs für die Kinder